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Der

Zauberbogen

 

Auf einem verstaubten Dachboden:

Ich bin ein wunderbarer Bogen!
Von der Hand eines großen Meisters gefertigt!
Schön! - Aus vielen Schichten edelsten Holzes - zierlich - und doch kraftvoll geformt! -
In der Mitte das gerade Stück, das die Hand umgreift, von da aus, sich verbreiternd, die Bogenarme, wie zwei schmale, herzförmig sich verjüngende Flügel, deren Spitzen durch die elastische Sehne miteinander verbunden sind.
Ich bin ein Prachtstück! Nicht nur äußerlich, sondern auch wegen meiner Genauigkeit, mit der jeder Pfeil ins Ziel geschickt werden kann.
Ich werde viel gelobt und bewundert! Und ich erhalte im Laufe der Zeit - wegen meiner Schönheit und der nicht nachlassenden Spannkraft - den Namen Zauberbogen. Ich gehe von Hand zu Hand - und werde viel benützt!

Doch - eines Tages, als ich mich mal wieder dieser wunderbaren Anspannung überlasse, um damit in den spannungslosen Zustand zu fliegen, gibt es in meinen beiden Bogenarmen einen ächzenden Laut - und die Grundspannung der Sehne ist weg.

Wer mich von jetzt an in die Hand nimmt, sieht nur noch den Mangel - und beschimpft mich!

Nach kürzester Zeit lande ich - der Zauberbogen - in einer staubigen Ecke auf dem Dachboden, wo ich unbeachtet liegen bleibe.
Voll Schmerzen liege ich da.
So schön und so kraftvoll - und jetzt - plötzlich - wertlos! Das tut weh! - Natürlich versuche ich ständig, die alte Ausgangsspannung wieder zu erlangen, trotzdem bereits kleinste Bemühungen zu Qualen werden. - Erfolglos!
Ich bin ein Häufchen jammerndes, schmerzendes "Es war einmal ein Zauberbogen !".
Und wieder heule ich vor mich hin - was soll ich auch anderes machen:
"Ich bin Nichts, weil ich nichts leiste - und weil ich nichts leiste, erreiche ich auch nicht mehr diesen wunderbaren Zustand seliger Entspannung, wenn der Pfeil abgeflogen ist und ich ganz losgelassen bin - für einen Augenblick!" -
Und dicke Tränen kullern über meine schönen, edlen, staubbedeckten Holzteile. -

Da höre ich eine krächzende Stimme:

Lass los! Lass dein ständiges Wollen los! 
Lass Entspannung und Ruhe zu!

Ganz erschrocken schaue ich mich um. - Wer hat da gesprochen?
Neben mir ein alter Stuhl mit abgebrochener Lehne, ein Strauß vergilbter, künstlicher Blumen, ein halbfertiges Strickzeug, dessen Faden bis zu dem von Spinnen eingewobenen Wollknäuel in der Ecke führt. -
Eine Maus huscht aus der Ecke in den Raum und verursacht ein trappelndes Geräusch. -
Doch - woher kam die Stimme?
Jetzt wieder - krächzend - und doch auch weich und wohltuend. - 
Vertrauen erweckend:

Lass los - und mache es dir bequem! 
Mache es dir so gut, wie nur irgend möglich!

Ich spüre Neugierde! - Wer ist das? -
Und auch Ärger! - Wie kann man nur "so was" sagen? -
Wo käme man denn da hin, wenn man immer, wenn man gerade möchte, oder es auch bräuchte, loslassen und für sich selbst sorgen würde?

Und wieder schweift mein Blick - jetzt auch nach oben. -
Und fällt auf einen alten, offensichtlich von Laienhand selbstgemachten Bogen, der an einem rostigen Nagel an der Wand hängt. -
"Ziemlich lumpig!" - denke ich. - "Mit so was gebe ich mich ja gar nicht ab!" - Wieder schaue ich hin. -
Seine gütigen Augen sind auf mich gerichtet - und wieder höre ich die krächzende Stimme:

Lass los! Vorstellungen und Erwartungen und Bewertungen! 
Lass los! - Und sei einfach da!
So, wie du jetzt eben bist!

Ja - aber ...... - stammle ich -

Lass los! ,

sagt wieder die Stimme.

Ja wie denn? - Ich kann ja nicht mehr angespannt werden - und deshalb auch nicht mehr in die Entspannung schwingen. -
Oh Gott! - Wie war doch die Entspannung schön und beglückend! -
Und jetzt? - Jetzt weiß ich überhaupt nicht mehr, wie ich mich hinlegen soll. - Von Entspannung keine Spur!

Ein langes Schweigen tritt in den Raum. -
Etwas ängstlich und auch fragend schaue ich nach oben. -
Die gütigen Augen des alten Bogens ruhen nach wie vor auf mir - sein Kopf bewegt sich leicht - vor und zurück - immer wieder - als wüsste er alles, was es dazu noch zu sagen gibt. - Und er schweigt. -
Dann rede ich ihn an - etwas zaghaft: "Sag' doch was!"
Noch lange schweigt der alte Bogen - dann sagt er schließlich:

Erzähl' mir davon, wie du bisher als Bogen gelebt hast, - wie du's gemacht hast, Bogen zu sein - wie du dich gefühlt hast.

Und ich erzähle:
Ich ging von Hand zu Hand, war begehrt, war ständig bereit, benützt zu werden; ja ich sehnte mich geradezu danach, weil es einfach beglückend war, das zeigen zu dürfen, was ich kann.

Und - für mich noch wichtiger - der kurze Moment, der nach der äußersten Anspannung ganz von selbst kam - die totale Entspannung! - Zwar nur ein Moment - aber so schön - da ging's mir dann immer sooo gut!

Und dann folgte schon wieder das Hineinschwingen in die
"Vorspannung der Bereitschaft". - Erneute Sehnsucht nach der Entspannung! -
Na ja. - Und so ging's fort!
Immer öfter wollte ich die Anspannung, um für einen Augenblick die Entspannung zu spüren. - Immer öfter! - Immer mehr! -
 


Bis dann - irgendwann - machte es "knacks" - und ich konnte nicht mehr. - Und seitdem liege ich - verspannt und schmerzgekrümmt - hier in der Ecke - wie du siehst.

Wieder setzt ein langes Schweigen ein. 

Dann beginnt der alte Bogen mit seiner krächzenden Stimme zu sprechen:

Du wurdest benutzt - und nicht geliebt. Du konntest Entspannung durch Anspannung für kurze Zeit machen, jedoch nicht in ihr verweilen. Du bist gebrochen - und wurdest dann weggeworfen und vergessen. Das ist arg!

Während er das so treffend sagt, zieht sich in mir alles noch schmerzhafter zusammen und ich seufze bekümmert. Er fährt fort:

Es geht auch anders! Spannung ist ein wunderbarer Zustand - als solcher, genauso wie Entspannung! Beide sind wichtig! Beide sind Zustände von Kraft und Lebensentfaltung! - Und die ‘wohltuenste’ Spannung kommt immer aus der Entspannung!

Ich begehre auf und rede dazwischen: Bei mir nicht! - Ich brauche Spannung, um dann für kurze Zeit in die Entspannung zu fallen, sie zu spüren.
Der alte Bogen fährt in unverändert gütigem und verständnisvollem Ton fort:

Ich weiß! - Ich habe dich schon verstanden! Jedoch - es bleibt dabei: Es gibt bessere Möglichkeiten - beglückendere - solche, die mehr Wohlfühlen bewirken und zu Lange-und-glücklich-leben beitragen!

Und welche? - werfe ich ein.

Nach der Anspannung darfst du in die Entspannung gehen und dort bleiben, solange es für dich gerade gut ist!

Aber ich brauche ja Vorspannung, um auch sofort wieder bereit zu sein!?

Zu was?

Zu einem erneuten Einsatz natürlich!

Und was hast du davon?

Den erneuten Gebrauch, das Hindurchgehen durch die Hochspannung und dann - dann wieder das kurze Spüren der Entspannung - das Loslassen der Spannung!

Aber du darfst in der beglückenden Entspannung, in diesem Zustand verweilen, brauchst gar nichts dafür zu tun, darfst einfach sein - und genießen! Wenn du magst!

Ja - geht das denn? - Und wenn wirklich - wie?

Es geht! - Und wenn du es noch nicht kannst, darfst du es dazu-lernen, neue Möglichkeiten dazu-holen!
Der Inhalt ist gleich - es verändern sich nur Ablauf und Wirkungen!

Und was ist die Wirkung?

Unmittelbarer Zugang: - "Sein in der Entspannung!" Und dieses Wohlfühlen auch ständig spüren - und dorthin auch ständig zurückkehren können, wann immer du es möchtest! Und in die Spannung nur gehen aus: "Freude an der Entfaltung der eigenen Energie!"
Entspannung, das ist der Grund- und Ausgangszustand, das ist spürbare Freude! - Und die daraus entspringende bewusste Anspannung ist auch Freude!

Aha! - Und wie soll ich das jetzt anstellen?

Indem du die Sehne an den Seiten so weit loslässt, dass du total entspannt sein kannst.

Dann bin ich aber nicht sofort wieder einsatzfähig - mir fehlt ja die Vorspannung! Was sagen da diejenigen, die mich benutzen wollen?

Du darfst wissen: "Du entscheidest!" - Ob du dich ständig mit Vorspannung bereithalten willst - so, wie du es bisher gemacht hast, oder ob du besser dafür zu sorgen bereit bist, dass es "dir" - und damit auch den anderen "mit dir" gut geht.
Mit dem unmittelbaren Zugang zu deiner Entspannung - und damit zu deiner inneren Quelle deiner Kraft und Ruhe - wirst du dich wohler, gesünder und glücklicher fühlen. Nicht nur das, du wirst auch jederzeit in der Lage sein, wenn du es willst (und die Situation es erfordert), schnell in die notwendige Vorspannung zu wechseln, um bereit zu sein, in das Vergnügen der vollen Spannung und damit der nachfolgenden totalen Entspannung hineinzufliegen.

Hört sich ja gut an!

Probiere es! - Sorge gut für dich!
 


Und ich probiere es!

Ich wickle die Saiten meiner Sehne ab - und spüre, wie Spannungen und Schmerzen nachlassen.
"Ich muss nicht ständig bereit sein!" - Welche Wohltat! - Ich lerne dazu - und zwar: Los-lassen!
Meine Spannungen, meine Erwartungen und Forderungen an mich und an andere, auch meine Bewertungen: Welch' ein Ballast, den ich mir da bisher auf den Rücken geladen habe! - "Ich lasse los!"

Und im Laufe der Zeit spüre ich meine Kräfte wieder wachsen. Auch meine Neugierde, die totale Anspannung als "Freude", wieder auszuprobieren.
Wie es der Zufall oder auch die Vorsehung will, kommt nach einiger Zeit der Besinnung, Genesung und des Dazulernens - ein Kind auf den Dachboden,

   findet mich,

      nimmt mich mit,

         probiert mich aus,

            findet mich toll und

               macht mich zu seinem SPIELGEFÄHRTEN.


Ich bin wirklich toll, eben ein Zauberbogen!
Neuerdings noch mehr: 
Jetzt nämlich nicht nur ein Künstler aus der Anspannung, sondern nun auch ein Genießer in gelassener Entspannung - im Gleichgewicht! - 
Sowohl - als auch!

"DANKE!" - alter, weiser Bogen, der mir das Leben gerettet hat.

 

 

Thema der Woche ab 20.09.10  (10.05.08, 26.11.04)    Ich muss gut sein, ich muss schnell sein, ich muss viel arbeiten, ich muss viel verdienen, ich muss ..., ich muss ... ! Vertraute Formeln in unserer heutigen Zeit - oder? - Wer sagt das eigentlich? Tut MIR das in dieser Form auch gut? Ist das lebensfreundlich oder lebensfeindlich? - Wie könnte es gehen - und worauf kommt es MIR wirklich an? - Fragen über Fragen, die durch diese Geschichte angeregt werden. Die Zeit, darüber nachzudenken bzw. sich auszutauschen, könnte sich lohnen.

Newsletter Nr. 119 v. 20.09.10 (Wdh.) Nr.53 v. 24.11.04    Eine Geschichte, die sich bildlich mit den unangenehmen Verspannungen in Schultern, Kreuz, Kiefern, Stirne usw. und den dazu angezeigten Möglichkeiten der Entspannung (eine davon ist auch das Meditative Gehen und Laufen!) befasst. - Sich nicht damit auseinander zu setzen, oder auch die Schmerzen beiseite zu schieben, bedeutet, sich selbst weh zu tun - und damit sich selbst zu schaden.
Interessant ist in diesem Zusammenhang auch besonders der Text in MOSAIK:  "Sensationen".

***Finde Deine Lebensspur. -  Wer erschöpft ist, schöpft aus trüber Quelle. - Entdecke Deine Verletzungen, ohne sie 
    zu überkleistern, heile die Wunden der Kindheit, ohne falschem Harmoniestreben zu verfallen. - Fort mit der 
    emotionalen Umweltverschmutzung, hin zur Ehrlichkeit vor sich selbst. - Die eigenen Verletzungen fühlen, um 
    Tränen in Perlen zu verwandeln. 
                                             (Benediktinerpater Anselm Grün)*** 

siehe auch:   Meditatives Gehen/Laufen     Spannungen   

                   MOSAIK / Energie       Gleichgewicht      Heilen3     MOSAIK/ Roter Faden4,7(1-8)   
                    
  Schmerzen(4)      Schule(6-Un-gleichgewicht)      Spannungen     Spannungen3  
                   Spüren
 

                   LABYRINTH / Helfer 

 

Texte unter "Z" Z-Fundgrube Zauberbogen Zeichen auf dem Weg
Zeit Ziele Ziel-Sätze Zitate 4 Zitate 5
Zitate 6 Zitate 7 Zufrieden Zuhören Zuständig
Zuversicht Zu zweit Zwang Zwiegespräche
Zwischenbilanz Zum Schluss   Z-Ende   

 

verstreute "Z"-Texte Zitate 1-3   und   Zitate 8 ff.  siehe:  Inhaltsverzeichnis
Zauberkünstler -> Zit. 37  Zukunft1 -> Jetzt.. Zukunft2 -> Zit.9   

 

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