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Urteilen  ...
Inhalt:

 

Urteilen  1

Be-urteilen sagt MIR mehr von MIR!

 

"Gestern haben wir, Heinz und ich, uns auf einen gemeinsamen Sommerurlaub geeinigt!", erzählte freudestrahlend Gertrud, die wieder mal auf eine Tasse Kaffee zum Ratschen bei mir hereingeschaut hatte. "Er wollte irgendwo an die Nordsee, obwohl er genau weiß, dass ich die nicht besonders mag. - Ich bin ganz schön wütend auf ihn losgegangen: ‘Du kannst doch nicht ständig nur vom Norden träumen! - Ich bin schließlich auch noch da und kann ein bisschen mehr erwarten, als nur jeden Tag und jedes Jahr immer wieder das gleiche - oder?’, habe ich gesagt. - Heinz hat mich daraufhin ganz betreten und sichtlich verletzt angeschaut und wollte gerade zu einer Erwiderung ansetzen, da wurde mir plötzlich bewusst, was ich da mache: Ich beurteile Heinz nach meinen Maßstäben! - Dann versuche ich das, was für mich richtig und gut ist, nun auch ihm reinzudrücken! - Das waren nur wenige Sekunden, in denen mir das innerlich klar geworden ist.

Da habe ich tief durchgeatmet und ihn um Entschuldigung gebeten. - Darauf bin ich richtig stolz! -
Nach einem kurzen Mich-besinnen habe ich mir ein Herz gefasst und neu angefangen: ‘Ich möchte so gerne mit dir zusammen in Urlaub nach Spanien fahren! - Ich habe so Sehnsucht nach Wasser, Schwimmen, Wärme, Faulenzen und Was-anstellen, was wir sonst nicht machen! - Ich möchte aber auch, dass du dich dabei wohl fühlst! - Erzähl mir doch bitte, wonach du im einzelnen besonders Sehnsucht hast! - Ich möchte mit dir zusammen gerne ein gemeinsames Ergebnis finden, das uns beide zufrieden stellt und auf das wir uns dann auch beide einigen und freuen können! - Bitte!’

Stell dir vor - jetzt fahren wir auf die Insel Stromboli! - In einen kleinen Ort mit nur 30 Einwohnern. Ohne zentrale Wasser- und Stromversorgung, ganz einfach, am Fuße eines noch tätigen Vulkans. - Der Vulkan, das ständige Beben der Erde, der felsige Meeresstrand und die Abgeschiedenheit, die dort noch zu finden ist, reizen uns beide.
Ich verzichte auf den Rummel und Spanien, Heinz verzichtet auf seine Landsleute im Norden - und wir gewinnen beide einen wunderbaren Überraschungsurlaub! Ich freue mich schon riesig!"

Danach haben wir beide, Gertrud und ich, uns mit viel ernsthaftem Gelächter auch geeinigt - und zwar darauf, dass:

Urteilen und be-urteilen
sind wichtig zur eigenen inneren Orientierung.
Sie haben Eindrücke, Gefühle und Gedanken zum Inhalt die in mir entstehen, weil ich mich gerade mit dem Partner, anderen oder der Situation beschäftige, gleichgültig, ob Auge in Auge oder in der Erinnerung.
Ich nehme also wahr, wie es mir in dieser Beziehung geht und wie ich die Situation sehe und erlebe (höchst-persönlich interpretiere).

Die nächst Frage ist dann:
"Was mache ich nun für mich daraus?
Freue ich mich und fühle mich wohl?
Beklage ich mich über den Partner, andere oder auch mich selbst?
Beschuldige ich und greife an, weil andere Schuld sind? oder
Kremple ich innerlich die Ärmel hoch und suche nach weiteren Möglichkeiten, wie ich meinen Anteil in einer solchen Situation verbessern kann?

Zum Beispiel:.
Ein Schüler der dritten Klasse ist in der neunten Klasse zu Gast. Er hört die dortigen Aufgaben. Da bekommt er Angst und stellt sich vor: "Das schaffe ich nie! - Die Schule macht mich fertig!" - Das Erlebnis wird als Tiefschlag interpretiert. Sorgen und Befürchtungen tragen dazu bei, dass die Schule mehr und mehr zur Last wird.
Sein Klassenkamerad in der gleichen Situation dagegen lacht und freut sich, weil er das Erleben mit der Vorstellung verbindet: "Toll, irgendwann bin ich auch in dieser Klasse und kann dann auch so viel wie diese Großen!" Das Erlebnis gibt ihm also Auftrieb. Schule wird so vermehrt zu einem Ort der Anregung und macht Spaß!

Die Versuchung ist natürlich groß, über die Schule, die äußeren Gegebenheiten oder die anderen mit ihrem scheinbar so dummen und miesen Verhalten zu klagen und sie zu beschuldigen, für die eigenen schlechten Gefühle verantwortlich zu sein. - z.B. "Du bist Schuld, dass ich mich jetzt ärgere! - Weil die Schule so viel verlangt, deshalb geht es mir so schlecht! - Weil du so gemein reagierst, deshalb fühle ich mich jetzt so schlecht! - Du machst mir Schmerzen und Not!"
Der nächste Schritt, der zur weiteren Zerstörung von Beziehungen beiträgt, ist dann das Verurteilen und Niedermachen. - z.B. "Du bist dumm! - Du bist gemein! - Du bist verkehrt, so wie du bist!" (analog und mit gleich schlimmen Wirkungen: "Ich bin dumm! - Ich kann das nicht! - Ich kann nicht anders! - Ich bin verkehrt, so wie ich gerade bin! usw.")

Es mag zwar scheinbar logisch sein, doch bereits der Beginn ist ein Irrtum, nämlich die Behauptung, dass andere mit ihrem Verhalten oder die Situation mit ihren Inhalten und Schwierigkeiten mir von außen meine Gefühle machen. Das genau ist unmöglich!
Die Art und Weise, welche Außeneindrücke ich überhaupt beachte und wie ich sie dann aufnehme und innerlich verarbeite, ob als erfreulich oder als ängstigend und bedrückend, bestimme nur ich selbst. Maßgebend dafür ist in erster Linie, was ich dazu denke und welche Erfahrungen ich bisher schon gemacht habe. Dementsprechend werde ich die Situation interpretieren und mich fühlen.
Meine Gefühle mache ich mir also selbst - und zwar durch Inhalt und Richtung meines Denkens und Handelns.

Das erkannt und verstanden zu haben ist sehr wichtig. Denn - mache ich mir die schlechten Gefühle, dann mache ich mir in gleicher Weise auch die guten. Die Wirkungen nach innen und nach außen bestimme also ich für mich.

Nicht die Maus macht mir den Schrecken und die Angst, wenn sie mir über den Weg läuft, sondern ich mache mir die Gefühle selbst, wenn ich die Maus als für mich schrecklich einstufe.

Ob mir also spürbare Gefühle nun angenehm oder un-angenehm sind - ich muss nur wissen und beachten, dass ich selbst dafür zuständig bin. Erst, wenn ich das begriffen habe, kann ich den nächsten eigenen Schritt tun und sie als höchst-persönliche Signale für notwendige eigene Veränderungen (Verbesserungen) begreifen.

Wie immer un-angenehme Gefühle in Erscheinung treten, ob als Wut, Ärger, Zorn, Schmerz, Krankheit usw., sie fordern mich mehr oder minder heftig auf, selbst etwas ‘dafür zu tun’, dass ich mich wieder wohler fühle.

Sie stellen also die Fragen:
Was will ich jetzt für mich ? - Ist das realistisch?
Was kann und will ich selbst ‘dafür’ tun ?

Gleichzeitig sind sie eine ständige Herausforderung, bei mir und meinen Wünschen, Bedürfnissen, Vorstellungen und Sehnsüchten zu bleiben - und nicht der Versuchung zu erliegen, bei dir hineinregieren und damit versuchen zu wollen, dich zu bevormunden und fremd (von außen) zu bestimmen. Dir also vorzuschreiben, wie du sein und dich verhalten musst, damit ich zufrieden bin (und mich selbst nicht anzustrengen brauche).

Urteilen und be-urteilen
sieht immer mich selbst - nie den anderen oder das andere!
Urteilen und be-urteilen
hilft mir, meine Möglichkeiten der Beziehung zu dem Du oder zu diesen Inhalten abzuklopfen. Es bietet mir meine Position und meine momentanen Gefühle dazu an und verschafft mir damit die Möglichkeit herauszufinden, was ich jetzt für mich will oder brauche - und das dann auch zu sagen bzw. mich selbst darum zu kümmern.

Ich kann dann freundlich um etwas bitten, werben oder dazu einladen, damit den Kontakt und die Verbindung fördern und auch versuchen, zu einer Einigung beizutragen.
Oder ich kann mich zurückziehen, weil Einzelheiten oder die Umstände mich belasten und ich mich selbst nicht oder nicht mehr um positive Veränderungen bemühen will. Auch das ist in Form einer Einigung möglich und wünschenswert, weil es klar das benennt, was jetzt Sache ist.

Sich einigen ist,
wie wenn die zwei 
ganz verschiedenen Ufer eines Flusses
mit einer Brücke 
miteinander verbunden werden.
Diese Brücke wird 
von beiden Seiten aus gebaut
Und beide Teile 
vereinigen sich dann tatsächlich 
auf wunderbare und tragfähige Weise
irgendwo über dem Fluss.
Das kann, muss aber nicht 
genau in der Mitte sein.

 

 

 

Urteilen  2

Kann ich? - Soll ich? - Was bringt's?

 

Urteile
über den Partner, Nachbarn und andere Mit-Menschen, auch über ein Auto, den Gesundheitszustand eines Leidenden, die Arbeitsergebnisse eines Kollegen, die Qualität einer Musik-, Kino- oder Theateraufführung usw., also über Inhalte, Gegebenheiten und Zusammenhänge, bestärken mich in dem Glauben, ich könne das abschließend und allgemeingültig beurteilen. Das ist zweifellos ein starkes Gefühl.

Doch es ändert nichts am Ergebnis, dass es so eine ausgesprochen schwache Vorstellung ist.
Diese Urteile sind aufgeblasene Angeber und tun so, als wüssten sie mehr, besser als andere und besser für andere (Ich kenne die Zusammenhänge! Ich weiß wie's richtig ist! Ich weiß, was für dich gut ist! Ich weiß, wie du das machen musst! usw.).
Trotz aller großen Worte und Gesten sind es aber immer wieder nur persönliche Vorstellungen, Vermutungen, Spekulationen und Folgerungen (Meinungen).

Mit der eindeutigen Ergänzung "... für mich !" werden diese Urteile ehrlich:
"So ist es für mich ! - Und ich mache mir zu den Inhalten nur dann Gedanken, wenn sie für mich auch von Bedeutung sind!"

Jetzt helfen diese Urteile mir selbst weiter.
Wenn ich nun auch anderen davon erzähle, dann lasse ich sie an meinen Gedanken und Überlegungen teilhaben.
Diese sind zwar nur für mich gültig, aber vielleicht auch für andere interessant und hilfreich. Letztlich entscheidend für mein Erzählen ist das Miteinander-teilen-können, weil: ‘Geteilte Freude ist doppelte Freude - und geteiltes Leid ist halbiertes Leid!’

So werden Urteile zu einem Segen - für alle!

 

 

 

Urteilen  3

und:  "Das würde ich nie so machen!"

 

Empört zeigte mir Hans seine neu bezogene Wohnung: "Die Böden sind verschmiert, die Fenster nicht geputzt, die Türkanten haben Farbflecken und auch der Spiegel ist schmutzig! - So etwas würde ich nie machen!" 
Bedeutung dieser Botschaft: "So, wie es der Vormieter gemacht hat, ist es falsch! So macht ‘man’ es nicht! Er ist ein Schwein!"

Kopfschüttelnd erzählte mir Jana von einem Freund ihres Sohnes: "Er verdient sehr gut, hat aber hinten und vorne nichts als Schulden. Und nun hat er sich auch noch ein Auto für 80.000 DM gekauft! Natürlich wieder auf Schulden! - So etwas würde ich ja nie machen!" 
Bedeutung dieser Botschaft: "So wie ich es sehe, ist es richtig, so wie dieser Freund es macht, ist es verkehrt!"

Die Beispiele können endlos fortgesetzt werden. - Wer kennt das nicht?
Solche Überlegungen enthalten zweifellos wertvolle Gedanken - und doch schaden sie - in dieser Art gedacht und ausgesprochen - letztlich jeder zwischenmenschlichen Beziehung. - Warum?

Sie gehen davon aus, dass ich für einen anderen beurteilen kann, was für ihn richtig und gut ist. Was er also zu tun und zu lassen hat. Und ich tue dabei so, als müsste der andere alles so machen, dass ich mit ihm voll zufrieden bin. - Die nächste Steigerung, die solchem Denken ganz natürlich folgt, ist dann die unmittelbare Forderung: "Du musst .., du kannst doch .., das kann man doch erwarten - usw.!"

Das Urteil - bezogen auf den anderen - belastet die Beziehung und trägt zu deren Zerstörung bei, weil ich nicht weiß, was für den anderen gut und notwendig ist, welche Überlegungen für ihn eine Rolle spielen und welche Werte ihm wichtig sind. Ich weiß auch nicht, welchen Preis (Vorteile und Nachteile) er für einzelne Inhalte zu zahlen bereit ist. - Das kann nur er für sich selbst herausfinden und entscheiden.

Dagegen kann ich sehr wohl zu einem Urteil über den anderen kommen - und zwar bezogen auf mich selbst. Wie schätze ich den anderen ein? Als zuverlässig, leichtsinnig usw.? Will ich mit ihm näher zu tun haben oder rücke ich mehr von ihm ab? - Oder, wie im ersten Fall (Hans): " Was will ich konkret vom anderen für mich ? Wann bin ich also bereit die Wohnung zu übernehmen, wann nicht - oder bin ich bereit zu verhandeln und mich mit dem Vormieter auf Übergabebedingungen zu einigen, die dann von beiden akzeptiert werden?"

Der andere ist im Moment so, wie er ist!

Mein Urteil ist nur wichtig für mein weiteres Verhalten dem anderen gegenüber. So fördert es Klarheit und Umsicht und ich kann nun selbst für das, was ich jetzt für mich will in eigener Zuständigkeit etwas tun (z.B. bitte sagen, einladen, Vorschläge machen, Kontakt meiden usw.).

Zu urteilen ist also ein zweischneidiges Schwert:
Zerstört es den anderen - und damit letztlich auch mich?   oder
Dient es mir - und damit letztlich auch dem andern 
und der gemeinsamen Beziehung?

 

siehe auch:   Newsletter Nr.55 

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Unterbewusstsein - Text: Träume    
 

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