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Streit
Inhalt /
Hinweise:

 

 

Streit  1

Die Chancen 'kreativ' nutzen !

 

Markante Textstellen:
Streitursachen
Zwei Streiter  
Der Ablauf
Streit
Unterbrechen
Abstand
Gespräch
Blick zurück  
Wünsche + Bedürfnisse  
Bitte + Einigung  
Zukunft sichern  
Erfolgskontrolle

 

Immer noch müde wache ich nach einer recht unruhigen Nacht auf. - Der Tag beginnt mit der Erinnerung an den gestrigen Abend: Streit - Schreien - Tränen - gegenseitige Verletzungen. Dann hat sich jeder schweigend in eine Ecke verzogen. - Erst haben wir uns laut Vorwürfe um die Ohren geschlagen - und dann setzten wir das mit beleidigtem Schweigen fort.
Ich spüre noch das schlechte und bittere Gefühl, mit dem ich zu Bett gegangen bin.

Ich drehe mich auf den Rücken und betrachte den inneren Film des Streites immer wieder. Ich grüble und überlege: 

"Wie entstand eigentlich dieser Streit?" 

Einer alleine kann ja nicht streiten:

"Was genau habe ich dazu beigetragen, dass sich der Streit 
so entwickeln konnte, wie er sich dann tatsächlich entwickelt hat?
Was wollte ich erreichen - und was habe ich erreicht?"

Schließlich und vor allen Dingen: 

"Wie geht es besser?"

 

Mir wird klar:

mögl. Streitursachen

 

Und jeder ärgert sich, dass die scheinbar so selbstverständlichen ‘eigenen Erwartungen’ vom anderen nicht sofort und vollständig erfüllt werden.

 

Folgen

 

Solches Erwartungsverhalten (auch wenn es um Besser-wissen, Rechthaben-wollen und gut gemeinte Ratschläge geht) hat sicherlich auch Wurzeln in der Kindheit. Da wurden Ansprüche und Wünsche an Christkind und Weihnachtsmann, an Eltern, Verwandte und Bekannte gestellt, zwar nicht immer, aber doch immer wieder mit Erfolg. - In der Realität des Erwachsenen dagegen gibt es nicht mehr nur die eigenen Wünsche, Bedürfnisse und Vorstellungen, sondern - gleich-berechtigt und gleich-wichtig - auch diejenigen des Partners, der Kollegen und der Mit-Menschen.

Und es gibt niemanden, der verpflichtet ist, meinen Vorstellungen zu entsprechen und für meine Wünsche und Bedürfnisse zu sorgen - außer mir selbst. Alles was andere für mich tun, um mir entgegen zu kommen, sind Geschenke, weder selbstverständlich, noch zwingend, sondern immer etwas Besonders, das Anerkennung und Dank verdient.

Streit entsteht also vielfach aus dem unbewussten (kindlichen) Verlangen: 
"Spiele du Christkind für mich und erfülle mir meine Wünsche! - oder: Du musst es so machen, wie ich das meine! Dass auch du eigene Wünsche, Bedürfnisse und Vorstellungen hast, und zwar ganz andere als ich, davon will ich nichts wissen." 
Der eine möchte so der Beschenkte, Gewinner, Sieger, der Starke und im Vordergrund sein, der andere soll entsprechend funktionieren, aber ansonsten im Hintergrund bleiben (dienen und sich anpassen). Das hat mit gleichwertig und partnerschaftlich nichts zu tun. Die Ent-Täuschung, also das Ende solcher Täuschungen, Illusionen und Erwartungen, folgt früher oder später auf dem Fuße, verbunden mit empfindlichen Schmerzen.

Natürlich ist es verführerisch, jetzt den anderen (die anderen, die Verhältnisse usw.) für die eigenen Schmerzen (Ärger, Wut, Angst usw.) verantwortlich zu machen und zu beschuldigen: "Du bist Schuld, dass es mir weh tut! Du sollst dich verändern und so werden, wie ich mir das vorstelle, dann bin ich mit dir zufrieden und es geht mir wieder gut!" - Ich versuche also, die Rolle des Kindes weiterzuspielen und die alleinige Zuständigkeit und Verantwortung für mich ‘nicht’ selbst zu übernehmen. Ich möchte mich ‘nicht’ verändern und weiter-entwickeln, ‘nicht’ bitte sagen, mich ‘nicht’ auf Neues einlassen und mich ‘nicht’ für die gemeinsame Beziehung anstrengen. "Mach’ du mal!"
Damit mache ich mich zum ‘Opfer’ und gleichzeitig zum fordernden Ungeist.

Solches Verhalten ist nicht nur bequem und deshalb verlockend, sondern meist auch ‘unbewusst’. - ‘Menschlich!’ - Jeder macht Fehler und ist immer wieder auch auf Geduld und Nachsicht seines Gegenübers und seiner Mit-Menschen angewiesen. Auch das sollten wir nie vergessen..

Streit bringt eine Menge Energie in Bewegung, bewirkt aber meist, dass die Beteiligten damit aufeinander losgehen und aneinander vorbei reden. Spätestens ein Streit und seine Folgen können den Anstoß zum Aufmerksamer-werden geben und damit anregen, das ‘eigene’ Verhalten und Handeln, also den ‘eigenen’ Anteil, zu überdenken und zu hinterfragen.

Wofür setze ich mich ein? - Was will ich eigentlich erreichen?

  • Will ich Vorwürfe machen und streiten - um Recht zu behalten und zu beweisen, dass ich es besser weiß - um nicht nachgeben oder einlenken zu müssen - um Stärke zu beweisen - um mein Gewohntes erhalten und mich nicht mit Neuem auseinandersetzen zu müssen? Will ich Forderungen und Erwartungen an den anderen richten, ihn beschuldigen und bevormunden (Du musst .. ! Du bist .. ! Du kannst doch ... ! Du .. ! Du.. ! Du .. !)? - Will ich also den Abstand vergrößern und damit die Beziehung eher trennen und letztlich zerstören? - Will ich ‘das’?

  • Oder will ich mich und den anderen wichtig nehmen - mich und den anderen besser verstehen - und lernen, mich besser, freundlicher und damit wirkungsvoller verständlich zu machen? Will ich meinen aufbauenden und fördernden Beitrag bringen, so gut wie ich es gerade kann und mitwirken, dass die Qualität der Beziehung und damit Nähe und Vertrauen erhalten und die Verbindungen zueinander eher erweitert und vertieft werden? - Will ich ‘das’?
    Das allerdings kann ich nur, wenn ich mich auf das beschränke, wofür ich auch wirklich ‘alleine’ zuständig bin, nämlich auf mein Denken, Verhalten und Handeln.
    ("Ich entscheide für mich! - Du entscheidest für dich!
    Ich bin genau so wichtig und richtig wie du! - Du bist genau so wichtig und richtig wie ich!
    Ich kann meine Bedürfnisse erklären, dafür eintreten, bitten und werben! - Du genauso!
    Gleich-wertig und gleich-berechtigt können wir uns einigen, wenn wir ‘beide’ das wollen!")

Streit ist also immer auch ein Spiegel. An den äußeren Vorfällen kann ich meine eigene Art der Beteiligung erkennen. 
Die folgenden Überlegungen gelten in erster Linie für Menschen, die sich nahe stehen (insbesondere Partner). Soweit es um Streit mit anderen (Kollegen, Bekannten, Fremden) geht, gelten sie für den eigenen Anteil (in eigener Zuständigkeit!) entsprechend.
 

Angenommen, zwei Streiter nehmen sich übereinstimmend folgendes Ziel vor:
"Ich will mit Achtsamkeit und Umsicht mitwirken, dass unsere Beziehung gut bleibt und immer besser wird! Wenn Streit, Ärger oder Differenzen auftreten, will ich dazu beitragen, die Unstimmigkeiten zu bereinigen und gleichzeitig daraus lernen, mein Verhalten und meine Möglichkeiten so zu verbessern, dass Gleiches in der Zukunft nicht wieder passiert.

Ich will das mit dir zusammen, weil du das auch mit mir zusammen willst! - So profitiere ich nicht nur für mich, sondern auch wir beide werden in unserer Beziehung zueinander zu Gewinnern und damit zu Hütern und Förderern von Freude, Lachen und Wohl-fühlen!"
 

Wie lässt sich ein solcher gemeinsamer Vorsatz nun mit Leben füllen?

Eine Möglichkeit, auf dieses Ziel zuzugehen, ist es, Streit und Unstimmigkeiten künftig kreativ aufzulösen und das - ganz wichtig - in guten Zeiten immer wieder spielerisch zu üben.

Natürlich können das nur Lösungsanregungen sein, die ausprobiert und individuell abgewandelt und verfeinert werden können. Entscheidend ist immer: "Wie tut es beiden besser? Jedem für sich - und beiden miteinander?"
 

Der Ablauf:

Streitablauf

 

Streit

Streit hat viele Erscheinungsbilder. Da wird z.B. ruhig und sachlich, doch unterschwellig empört und bitterböse miteinander geredet, angeklagt und argumentiert - oder wie bei einem Vulkanausbruch kommen die angestauten und zurückgehaltenen Gefühle von Wut, Ärger, Zorn und Enttäuschung zum Ausbruch - oder es herrschen Trauer, Tränen, Schweigen und Sich-aus-dem-Weg-gehen.

Diese oder andere schmerzlichen Krisensignale können nicht mehr einfach übersehen und beiseite geschoben werden. Sie ‘fallen auf’. - Genau darin liegen auch ihre Chancen.

Streit bedeutet:
"Weil du mir wichtig bist und weil ich die Beziehung zu dir - aus ‘meiner’ Sicht - möglichst schön und angenehm haben will, deshalb brauche ich etwas von dir - damit es mir wieder besser geht! Ich kann das aber im Moment nicht anders, als eben in Form dieses Streites zum Ausdruck bringen!"

Der Streit bringt also zutage, dass da im Untergrund einiges gärt, drückt und noch unbearbeitet ist. Streit hat im Hintergrund immer ein ‘persönliches Bedürfnis’. Jeder der Beteiligten braucht (will) etwas vom anderen - und zwar für sich.

Im Streit kann das dann z.B. die Wort haben: "Du kannst auch mal abends wieder öfters Zuhause sein!" Das persönliche Bedürfnis dahinter könnte sein: "Ich wünsche mir einige Abende in der Woche, an denen wir unbeschwert füreinander Zeit haben - zum Reden, zum Spielen, zum Schmusen, zum gegenseitigen Sich-verwöhnen!" - oder "Du immer mit deinem Dies-noch und Das-auch-noch!" könnte meinen "Ich hatte einen anstrengenden Tag, bin müde und möchte jetzt eine Zeit lang einfach meine Ruhe - nichts sehen, nichts hören, nichts reden müssen!"

Im kreativen Bearbeiten des Streites wird verständlich, was bisher - aus welchen Gründen auch immer - nicht gesagt oder nicht so verstanden wurde (Missverständnisse).
 

Unterbrechen

Wer wütend, ärgerlich oder enttäuscht ist, sieht meist den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Es ist sinnlos, in solcher Gemütsverfassung ein gutes und konstruktives Gespräch führen zu wollen.

Wer also als erster merkt, dass eine Streitsituation entstanden ist, sollte sich zum Aussteigen entschließen, das in verbindlicher Form ausdrücken und das Gegenüber zum Mittun einladen ("Bitte Stopp! - Wir drehen uns im Kreis und beschuldigen und verletzen uns gegenseitig. - Du bist mir wichtig und ich mag dich! - Bitte ‘unterbrechen’ wir und lösen dann den Konflikt kreativ - so, wie wir uns das vorgenommen haben! - Bitte lass es uns zumindest versuchen!").

Auf das "Du bist mir wichtig! - Ich mag dich!" stützt sich die gemeinsame Beziehung. 
Es ist wichtig, das ‘auch’ in solchen Krisenmomenten zu bestätigen, auch wenn das Gefühl dazu im Moment nicht zu spüren ist. Die Feststellung ist zutreffend und ehrlich, wenn sie sich auf das innere Wissen (aus Erfahrung) stützt. - Verstand und Gefühl sollen bekanntlich immer gleichzeitig dabei sein. Ist in Krisensituationen ein Teil vorübergehend unklar und verwirrt, dann wird der andere Teil umso wichtiger, um zumindest vorübergehend auf einem Bein (hier dem Verstand) stehen bleiben und sich wieder fangen zu können. Andernfalls droht im wörtlichen Sinne der Absturz.

Und sollte dieses innere Wissen tatsächlich nicht mehr da sein? Zu was dann überhaupt der Streit?

Auch wenn der Partner auf die so vorgebrachte Bitte nicht eingeht, sondern mit Argumenten und Vorwürfen weitermacht, ist es wichtig, bei der ‘eigenen’ Entscheidung zu bleiben und das dann auch zu tun. - Von großer Bedeutung ist es, dabei die ‘Verbindung’ zueinander zu betonen und so gut wie möglich zu erhalten ("Ich will dich nicht weiter verletzen und selbst nicht weiter verletzt werden. Dazu brauche ich für kurze Zeit ein Stück weit Abstand! Bitte versteh’! Ich gehe jetzt etwa eine Stunde spazieren, dann bin ich wieder da! - Dann können wir weitersehen! - Ist das o.k.?").
 

Abstand

Selbst wenn es geschafft ist, das aktive Streiten zu beenden, so ist meist die Stimmung bedrückend und explosiv - innerlich und äußerlich. Für beide ist es jetzt eine Hilfe, sich voneinander zurückzuziehen. - Abstand (persönlich, räumlich und zeitlich) ermöglicht es, innerlich wieder zur Ruhe zu kommen, die Vorfälle und Vorwürfe zu bedenken und neue Wege zu überlegen, wie die vorhandene Krisensituation vorwärts-orientiert sowohl durch eigenen, als auch durch gemeinsamen Einsatz überwunden werden kann.

Es tut besonders gut, diese Zeit alleine, in Stille und in Bewegung zu verbringen - z.B. mit einem Spaziergang.

Nach dem Wieder-Zusammentreffen sollte - als wichtigster Beitrag für die weitere Entspannung - die Zeit für das klärende Gespräch vereinbart werden. Je wichtiger das Thema ist, desto wertvoller ist es, eine Nacht darüber zu schlafen und erst am nächsten Tag (möglichst nicht später!) das Gespräch zu führen. - Die Zeit bis zum Gespräch sollte - alleine und / oder zusammen - so angenehm und wohltuend wie möglich gestaltet werden.
 

Gespräch

Das Nachdenken über Inhalt und Ablauf hat in der Zwischenzeit das ‘eigene’ Erleben und das ‘eigene’ Verhalten während des Streits deutlicher werden lassen. Ich erinnere nun die Vorgeschichte, was also bei mir - auch stimmungsmäßig - los war, bevor wir in Streit gekommen sind. Ich kenne jetzt vielleicht auch den Auslöser, der mich wütend gemacht hat. Und ich habe mir auch meine ‘eigenen’ Reaktionen angeschaut. Ich weiß also eine Menge von mir. - Vom Partner dagegen weiß ich recht wenig. Ich habe angenommen, dass er mich verletzen wollte, ich interpretierte sein Verhalten als Kränkung - und doch sind das alles nur Spekulationen, Vermutungen, manchmal - wie sich dann später oft herausstellt - Hirngespinste.
Nun geht es darum, den Nebel, also die ungeklärten gegenseitigen Vermutungen durch Klarheit und Verstehen zu ersetzen.

Der Streit ist passiert. Was hat jeden der Beteiligten dabei bewegt? Wie hat er Worte des anderen aufgefasst? Welche Konsequenzen hat er vermutet und befürchtet?

Ein erfolgversprechendes Gespräch braucht eine gute Stimmung auf beiden Seiten. Beide sollten also mit großer Sorgfalt, Zuversicht und Freude das Miteinander stärken (kleine Aufmerksamkeiten und Zeichen der Zuneigung / Kerze, Rose, freundliches Lächeln, zärtliche Geste usw.). 
Das "Ich mag dich! Du bist mir wichtig!" sollte lebendig und spürbar sein.
So werden bestmögliche Voraussetzungen für ein ‘für beide’ erfolgreiches Gespräch geschaffen.

Das Gespräch selbst sollte im Wesentlichen drei Schwerpunkte haben:

  • Blick zurück - Erklären des eigenen Erlebens und Verhaltens (Vergangenheit)

  • Aktuelle Wünsche und Bedürfnisse - Inhalte und Motive (Gegenwart)

  • Bitte um Entgegenkommen - und Einigung (Gegenwart)
     
Blick zurück  (Vergangenheit)

Der zurückliegende Streit ist der Grund für dieses Gespräch.

Nacheinander kann nun jeder erzählen (erklären, verständlich machen), wie er das Hineinrutschen in den Streit und den Streit selbst erlebt hat. - Von dem Augenblick an, wo die Stimmung ‘noch’ gut war, bis zu dem Augenblick, wo die Stimmung dann ‘wieder’ gut war.

Dazwischen liegt das Tal des Streites.

Wie genau ist es losgegangen? Was war bei beiden jeweils der Zündfunke für den Streit? - Genau diese ersten Missverständnisse - und um solche handelt es sich in der Regel - sind besonders wichtig. Alles was danach kam, waren - so traurig und bedauerlich das auch gewesen sein mag - weitere Missverständnisse, die auf vorherigen Missverständnissen aufbauten.

Jeder darf - ohne unterbrochen zu werden - sein Erleben erzählen. Es ist unwichtig, ob die Inhalte aus der Sicht des Zuhörenden richtig sind oder nicht. Darum geht es jetzt nicht. Wichtig ist jetzt nur, den Erzählenden mit dem was ‘ihn’ in diesem Augenblick bewegt hat (Gedanken, Gefühle, Hoffnungen, Ängste, Befürchtungen, Sehnsüchte usw.) besser zu verstehen ! So war es für ihn!

Doch Achtung: Voraussetzung für das Verstehen durch den Zuhörenden ist das ‘Verständlich- machen’ durch den gerade Erzählenden. Es ist nur scheinbar einfach, das auch zu sagen, worum es wirklich geht, das Kind also beim Namen zu nennen. - In der Tat bleibt vieles, was zu einem besseren Verstehen beitragen könnte, oft unerwähnt, weil es für selbstverständlich oder nicht so wichtig gehalten wird (der andere weiß das sowieso, meint man dann) - oder weil es innerlich zwar in Form eines drückenden Gefühls spürbar, aber die genaue Bedeutung dessen noch nicht klar und damit nicht ohne weiteres in eigene Worte fassbar ist - oder weil innerlich Angst und Scham hemmen und es schwer machen, das auszusprechen, was unbedingt ausgesprochen werden muss, um Vertrauen, Klarheit, Verständnis und Freude in der gemeinsamen Beziehung zu erhalten und wieder zu stärken.

Deshalb können am Ende des Erzählens vom Zuhörer behutsam und respektvoll ergänzende Fragen zum Erzählinhalt gestellt werden (Wie genau war das für dich? Was verstehst du unter .... [z.B. stark sein]? usw.).
Es ist günstig, Fragen, die während des Erzählens aufkommen, ohne zu unterbrechen zu notieren.

Beim ‘Erzählen’ ist jede Form von "Du hast ... ! Du bist ...! usw." eine unbewiesene Behauptung, die erneut zur streitauslösenden Beschuldigung werden kann. Es geht um ‘Verständlich-machen’ des Eigenen. Und das hat immer die Worte: "Ich habe dich so ... verstanden! - Diese Worte habe ich als Beleidigung und Kränkung empfunden! - Das hat mir Angst gemacht! - Ich empfand, dachte, spürte, vermutete usw.!" - Konkret also ‘nicht’ "Du warst gemein und rücksichtslos!", sondern: "Ich habe dich da als gemein und rücksichtslos empfunden, ich fühlte mich schwach, hilflos und ausgeliefert! Ich wusste nicht mehr, was ich tun könnte - und dann habe ich einfach blind um mich geschlagen! - usw."

Ist der eine mit Erzählen und dem Beantworten ergänzender Fragen fertig, dann darf in gleicher Weise der andere nun das Seine erzählen.
 

Aktuelle Wünsche und Bedürfnisse  (Gegenwart)

Das Erleben beider im Streit ist nun verstanden - und sollte damit abgehakt werden können - erledigt. Es war wie’s war - und es ist vorbei. - Ab sofort soll es um Gegenwart und Zukunft gehen.

Der nächste Teil des Gesprächs konzentriert sich auf die eigentlichen Hintergründe, nämlich die aktuellen und ganz persönlichen Wünsche und Bedürfnisse (Herzenswünsche?) und deren Bedeutung und Wichtigkeit. Sie können winzig klein oder auch ganz groß sein - in jedem Fall sind sie wichtig, sonst wäre nicht darum gestritten worden. Auch wenn sie bisher schon in der einen oder anderen Form angesprochen wurden - sie sollen jetzt neu formuliert und beschrieben werden, wie wenn vorher noch keiner davon gehört hätte. Nacheinander erklärt jeder dem anderen sein: "Ich wünsche mir für mich von dir, weil .... !"

Die Wünsche müssen für die Beziehung wichtig, zumutbar und erfüllbar (realistisch) sein.

Um besser zu verstehen und die Inhalte noch klarer zu machen, können auch hier vom jeweiligen Zuhörer noch Fragen zu Einzelheiten gestellt werden (ohne zu bewerten oder gar zu be- / ver-urteilen).
 

Bitte um Entgegenkommen - und Einigung  (Gegenwart)

Gilt das gegenseitige "Ich mag dich! - Du bist mir wichtig!" noch?

Jeder kennt jetzt die aktuellen Wünsche und Bedürfnisse des anderen und - weil es ja um die gemeinsame Beziehung zueinander geht - ist auch jeder gefordert. 

"Es ist dein Problem - und es geht mich auch etwas an!" 

Zunächst ist sehr wichtig, dass jeder dem anderen die Frage beantwortet: "Willst du mir bitte entgegenkommen und versuchen, dich mit mir auf Lösungen zu einigen, mit denen es dann ‘uns beiden’ besser geht als bisher?"

Antwortet einer mit ‘NEIN’, dann Frage an ihn:
"Was willst du erreichen, wenn du deinen aktiven Lösungsbeitrag verweigerst? Welche Rück- Wirkungen hat das auf dich und die gemeinsame Beziehung? Willst du das?"

Antworten beide mit ‘JA’, dann kann es nun an die Einzelheiten gehen. 
Die Bereitschaft zur Einigung beinhaltet auch das Offensein für neue Möglichkeiten und für das Abrücken von bisher eigenen Vorstellungen und Positionen - in dem Umfang, wie es persönlich noch als gut empfunden wird. ‘Anders’ als es beide bisher gedacht haben, geht es häufig leichter, ist manchmal nicht ganz so optimal aber - großer Erfolg - eben ‘gemeinsam’ möglich und macht ‘gemeinsam’ Freude. Jeder von beiden muss etwas davon haben (gewinnen).

Nacheinander werden nun die Wünsche und Bedürfnisse des einen, Veränderungen und Einzelheiten bis zur Einigung ("So machen wir es!") verhandelt - und danach genauso die Wünsche und Bedürfnisse des anderen.
Die Ergebnisse sollen für beide glasklar sein! "Wie im einzelnen machen wir es künftig? Was genau machst du? Was mache ich? Wann genau fangen wir an? Wie halten wir es mit der Erfolgskontrolle? Vereinbaren wir einen Drei-Monats-Rückblick? Wollen wir den dann zu einem kleinen Beziehungsfest, zu einem gemeinsamen Höhepunkt ausgestalten? - usw."

Und danach hat jeder vom anderen ein ‘dickes Danke’ verdient. Denn das Aufeinander-eingehen ist wichtig, aber niemals selbstverständlich.
 

Zukunft sichern

Handlungsfähiger durch Dazu-lernen

Gegeneinander gerichteter Streit ist häufig ein Ausdruck eigener Hilflosigkeit: "Ich finde im Moment keine geeigneten Möglichkeiten, vor allem keine treffenden Worte, um das, was mir ist, verbindlich und frei von Verletzungen auszudrücken! Ich verfalle schnell in Beschuldigungen, Forderungen und Du-Erwartungen!"

Welches persönliche Verhalten (z.B. nichts sagen, nur verschleiert andeuten, sich anpassen, immer wieder um des lieben Friedens willen ‘ja’ sagen, bevormunden, keine Zeit, Müdigkeit, Einseitigkeit usw.) hat zu dem aktuellen Streit beigetragen? Anders gefragt:

"Was kann ich bei mir und in meinem Verhalten verbessern, ergänzen und erweitern, damit mir in einer ähnlichen Situation Gleiches in der Zukunft nicht wieder passiert?"

Jeder überlegt sich für sich selbst in Frage kommende eigene Verbesserungen.

Eine gute Möglichkeit dazu ist, ‘innerlich’ ins Kino zu gehen und den Film des Streites nochmals ablaufen zu lassen und dabei das eigene Denken, Verhalten und Handeln so lange und so oft zu verändern (verschiedene Möglichkeiten durchspielen), bis positive Lösungen ohne verletzenden Streit möglich werden. Das Verhalten des Gegenübers wird dabei ‘nicht’ angetastet. Denn darüber kann nur der andere selbst entscheiden. - Danach klärt jeder für sich: "Was will ich nun konkret dazu-lernen und einüben, um künftig in einer vergleichbaren Situation besser - so, wie ich mir das mehr wünsche - reagieren zu können? - Wann fange ich damit an?"

Beispiel: "Ich weiß häufig nicht, was ich wirklich will - und entscheide mich dann auch nicht eindeutig, sondern ich lasse mich mitziehen oder ich mache es einfach so, wie ich meine, dass andere es von mir erwarten. Hinterher ärgere ich mich dann oft über mein eigenes Verhalten. Die Frage "Gehen wir spazieren?" beantwortete ich vor kurzem, trotzdem mir das nicht so ganz in den Kram passte, der Einfachheit halber mit: "Gut, das können wir schon machen!".
Ich nehme mir also vor, mich mindestens einmal pro Tag - irgendwann zwischendurch - zu fragen: ‘Was will ich jetzt gerade für mich (unter Berücksichtigung meiner höchst-persönlichen Bedürfnisse, der äußeren Verhältnisse und der Bedürfnisse der anderen Beteiligten)? - Tut mir das gut? - Mache ich es so gut und mit so viel Freude, wie mir das gerade möglich ist? - Was kann ich konkret verbessern?’
Über meine Erfahrungen möchte ich jeweils abends mit meinem Partner sprechen. Ich will ihn auch bitten, mir zwischendurch immer wieder die Frage zu stellen: "Was willst du jetzt genau für dich - und was hast du davon?" - So kann ich mehr Klarheit, Überblick und bewusstes Entscheiden und Handeln lernen und einüben! Je besser ich das beherrsche, desto weniger entstehen Streitereien!"

Nur wenn erwünschte Veränderungen bewusst eingeübt und mehr und mehr im Alltag übernommen werden, können sie gewohntes (bewusstes oder unbewusstes), aber eher unerwünschtes bisheriges Verhalten nach und nach ersetzen. Über Verbesserungen nur nachzudenken und zu reden, verändert noch nichts. Die alten Muster bleiben und so kommt es zwangsläufig früher oder später wieder zu ähnlichen Streitereien - wie gehabt.

Im Übrigen gilt natürlich: "Ich verändere und verbessere mein Verhalten immer für mich. Damit ich mich immer wohler fühle - alleine, mit dem Partner und mit anderen zusammen!"

Eine Veränderung sollte niemals angepackt werden, ‘weil du sie willst’ oder ‘weil die Verhältnisse sie erzwingen’, sondern nur, wenn ich Sinn und Notwendigkeit für mich erkannt und mich deshalb dafür entschieden habe. So wird Veränderung für alle Beteiligten zur Bereicherung.

Wenn beide für sich diese Fragen geklärt haben, dann können sie sich nacheinander erzählen, wozu sich nun jeder entschlossen hat und wie im Einzelnen er es machen möchte.
 

Erfolgskontrolle

Streit hat immer konkrete Verbesserungen zum Ziel.

Veränderungen zu beschließen und auch anzupacken, ist wichtig. Doch genau so wichtig ist es auch, in regelmäßigen Abständen immer wieder die Wirkungen des eigenen und gemeinsamen Tuns zu beobachten und zu bewerten (z.B. mit Drei-Monats-Rückblicken) und

  • wenn sie noch nicht so zufriedenstellend sind, 
    sie zu korrigieren und weiter zu verbessern - und

  • wenn sie erfolgreich sind, sie zu loben, zu feiern und so weiterzumachen.

 

Weil ich dich mag!

 


 

Newsletter Nr.100 v.23.02.09    Thema der Woche ab 10.02.09   (23.08.03)    Er passiert so häufig, meist wegen Kleinigkeiten. Doch haben wir Strategien, Vereinbarungen, Rituale, wie die Spannungen wieder beigelegt, die hinter dem Streit steckenden Wünsche ausgesprochen und behandelt werden können?
     ***Wenn jemand etwas will, dann findet er Wege  und wenn er es nicht will, dann findet er Gründe. (unbekannt)*** 
 

siehe auch:  Aufpassen     Gewaltfreie Kommunikation     Kommunikation (V-Fugru)    Krise/n    Ich will (4)  
                   
Versöhnen und heilen (T-Fugru.)     Zuhören    Zwischenbilanz

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