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Die Schuhe

Geschichte

 

Hedda - von ihr will ich heute erzählen: 

Hedda ist eine Frau, die, kaum über fünfzig, schon auf ein recht bewegtes Leben zurückblicken kann. 

Da war das junge Mädchen, ein Wildfang, das wenig von seinen berufstätigen Eltern hatte, überwiegend von der Großmutter aufgezogen wurde und zudem, als Erstgeborene, die jüngere Schwester hüten und miterziehen musste. Aus ihr wurde eine junge Frau, die Musik und Klavierspiel liebte und deshalb auch studierte. Diese junge Frau verliebte sich, heiratete und bekam drei Söhne. Als ihr jüngster Sohn gerade zehn Jahre alt war, zerbrach die bis dahin scheinbar glückliche Ehe und sie stand da - mehr oder minder mit Nichts. - Mit drei Kindern, ohne Beruf, ohne Geld. - Doch das sollte sie nicht umwerfen, sagte sie sich, krempelte buchstäblich ihre Ärmel hoch und begann mit einem um ein Vielfaches vergrößerten Korb an Aufgaben und Belastungen ihren ‘Mann’ zu stehen. Sie wurde berufstätig, arbeitete viel, verdiente viel, versorgte ihre Familie und fand bald auch wieder einen neuen Partner. Acht Jahre hielt sie es mit ihm aus, mal recht und mal schlecht, dann ging es nicht mehr. Wieder war es Fremdgehen, wie schon bei ihrem geschiedenen Mann, das den Ausschlag gab, sich aus der Beziehung zu lösen.
Danach lernte sie erneut einen Mann kennen, einen ziemlich ungewöhnlichen und unkonventionellen Mann, in den sie sich verliebte. Mit ihm begann sie sehr erfolgreich das Streiten zu proben und entdeckte viel, auch ihre Vorliebe für die verschiedensten Schuhe.

Hedda liebt nämlich schöne Schuhe. Im Laufe ihres Lebens hat sie eine ganze Sammlung zusammengestellt. Da sind die eleganten Damenschuhe für das Ausgehen, die vornehmen Schuhe für die Verantwortung tragende, berufstätige Dame, die stilgerechten Schuhe für die Freizeit und die silberglänzenden Schuhe für Zuhause. Noch ein Paar gibt es in dieser Reihe von Schuhen. Es ist ein Paar kleiner - und vom häufigen Gebrauch schon ziemlich abgenutzter - aber gerade deshalb sicherlich auch bequem zu tragender Kinderschuhe, von denen sich Hedda bisher nicht trennen wollte.

Je nach den Gegebenheiten schlüpft Hedda abwechseln in die verschiedenen Schuhe und wird dann auch genau zu der Person, die eben gerade diesen Schuhen entspricht. Meist sind das die Schuhe der zuverlässigen, ja perfekten Mitarbeiterin in ihrem Betrieb, der Verantwortlichen, der einfühlsamen und zielorientiert führenden Vorgesetzten. Auch die anderen Schuhe kommen immer wieder zum Einsatz. Sie sind in jedem Fall schön und repräsentativ, wenn auch nicht immer bequem und zweckmäßig.

Ganz selbstverständlich zieht Hedda, wie es die besonderen Umstände eben ergeben, auch immer wieder ihre Kinderschuhe an. Die Verwandlung, die sich jetzt mit ihr vollzieht, ist gewaltig. Plötzlich ist sie im Fühlen, Denken und Handeln wieder das Kind, das sie damals war, als sie diese Schuhe bekommen hat. Vor allem klein, schutzbedürftig und schwach. Und dieses kleine Mädchen muss sich nun gegenüber den Großen und der Welt behaupten. - Als kleines Mädchen hatte sie, ohne groß darüber nachzudenken, gelernt, dass Angriff die beste Verteidigung ist. Und ihre Form des Angreifens wurde, nach und nach immer ausgefeilter, das Schweigen und Nichts-sagen. Da konnten die Großen nicht nur nichts machen, sondern sie wurden auch schneller weich und Hedda konnte so leichter ihren Kopf durchsetzen.
Doch - das war damals, als sie noch ein Kind war.

Jetzt, wenn sie als Erwachsene in ihre Kinderschuhe schlüpft, macht sie es wieder so. - Die Fähigkeiten einer umsichtig handelnden und teilnehmenden, erwachsenen Frau sind plötzlich wie weggeblasen und wenn sie sich über "die Großen" ärgert, benützt sie die damaligen Waffen eines kleinen Mädchens, besonders das Schweigen oder auch das Mit-Worten-angreifen-und-verletzen - und erntet nur Unverständnis und schlimmste Konflikte.
Ihren neuen Freund beschuldigt sie dann auch, sie und ihre Lebensinhalte und Vorstellungen nicht als gleichwertig zu nehmen. Aus Sicht der Kinderschuhe verständlich.

Doch nach und nach merkt Hedda, dass es so nicht weitergehen kann. Sie hat von einer alten, weisen Frau im Wald gehört - und nach langem Zögern macht sie sich zu ihr auf den Weg.

Sie wird freundlich begrüßt und willkommen geheißen. Nach einer Kaffee- und Plauderpause erzählt sie schließlich, was in ihrem Lebens-Alltag alles an Schönem, aber auch an Widersprüchlichem und Schmerzlichem passiert - und sie erzählt auch von ihren vielen Schuhen.
Die alte Frau hört aufmerksam zu und nickt immer wieder verständnisvoll mit dem Kopf. Immer wieder huscht auch ein freundliches Lächeln über ihr faltiges Gesicht. Schließlich sagt sie: “Es ist schön, dass du auch deine Kinderschuhe behalten - und nicht einfach auf den Müll geworfen hast! - Die Kraft die darin steckt, ist die Neugierde, die entdeckungsfreudige Risikobereitschaft und die lebenserhaltende Lust zum Spielen. - Wenn du diese Qualitäten mit dem was du als Größer-gewordene und schließlich Erwachsene alles dazu gelernt und erfahren hast verbindest, dann wirst du mit viel mehr Freude, Kraft, Lebensmut und Erfolg dein aktuelles und auch dein künftiges Leben gestalten können. Behalte also auch deine Kinderschuhe - und nütze sie fleißig.
Doch beachte: Wenn du jetzt hineinsteigst, verwandelst du dich nicht mehr in das schwache und relativ hilflose, kleine Mädchen, sondern du bleibst die wunderbare, erfolgreiche, erwachsene Frau, die jetzt, befruchtend für ihr gegenwärtiges Leben, ganz bewusst und besonders achtsam die Qualitäten des kleinen Mädchens mit dazu holt! -
So ist es - jetzt!”, sagt sie abschließend - und verabschiedet freundlich lächelnd, aber auch mit spürbarem Nachdruck die etwas verwirrt dreinblickende Hedda.

Hedda weiß mit alledem nur wenig anzufangen. Doch der Gedanke mit den Kinderschuhen begeistert sie, denn ihre Kinderschuhe liebt sie ja heiß und innig.

Da kommt ihr nach einiger Zeit eine neue Idee, die sie dann auch sofort in die Tat umsetzt. Sie zieht ihre Kinderschuhe an und kaufte sich darüber neue Schuhe für die jeweilige Situation. Seitdem trägt sie als Innenschuhe ihre Kinderschuhe und als Außenschuhe, die Schuhe, die zur jeweiligen Situation passen.

Und - die Veränderungen sind gewaltig.
Vor allem fühlt sich Hedda jetzt ihrem Partner gegenüber gleichwertig - und, so erzählt sie ab und zu, sie muss jetzt nicht mehr zurückschlagen, sondern sie kann nun auch mitspielen, wenn das attraktiver ist. - So macht es viel mehr Spaß - für alle.

Hin und wieder, wenn sie in einem ruhigen Augenblick und bei Kerzenlicht zusammensitzen, Hedda und ihr Freund, murmelt sie versonnen und lächelnd “Danke, alte, weise Frau!” vor sich hin.  Und ihr Freund nickt dann ganz gerührt - und stolz, mit dieser prächtigen Frau, die auch die Vielfalt und Power ihres kleinen Mädchens lebt, zusammen sein zu dürfen.

Ja, das war die Geschichte, die ich Euch heute erzählen wollte.
Sie füllt immer wieder mein Herz. -
Vielleicht zu Zeiten auch das Euere.

 

 

Anmerkungen:
Gemeint sind zwei Entwicklungsrichtungen, nämlich
- das eigene Kind mit all seinen lebenserhaltenden und lebensfördernden Fähigkeiten und Potenzen
  ins Erwachsenenleben mit herein zu holen, sich wieder damit bewusst zu verbinden ("Wenn ihr nicht 
  werdet wie die Kinder...") und
- eigenes Verhalten, das dem Verhalten als schwaches, ausgeliefertes und abhängiges Kind
  entspricht und all das, was man zwischenzeitlich im Leben lernte und an Erfahrungen einsammelte,
  nicht dabei hat
(in der Geschichte: 'die Waffen eines kleinen Mädchens') bewusst zu hinterfragen, 
  ob man das so lassen oder weiter-entwickeln will.
Jeder muss für sich selbst entscheiden, ob er sich mit dieser Thematik auseinandersetzen will und dann, wie im einzelnen.  Da stehen sicherlich viele Wege zur Verfügung, die nach Rom führen. 
Die Frage "Tut mir das gut?" lässt die Wirkungen für mich und andere spürbar werden.

 

Newsletter Nr. 106 v. 19.08.09   Thema der Woche ab 20.08.09    Immer wieder ist es das Verbindende, das die Kräfte und Schätze und Reichtümer eines Lebens aufblühen lässt. - Hedda, die Hauptperson, die ein besonderes Verhältnis zu Schuhen hat, entwickelt in der beiliegenden Geschichte die Idee, ihre Kinderschuhe als ständig begleitende Unterschuhe zu tragen. So stellt sie eine lebendige Verbindung zu den besonderen Fähigkeiten des Kindes in ihr - die Neugierde, die entdeckungsfreudige Risikobereitschaft und die lebenserhaltende Lust zum Spielen mit den verschiedenen Möglichkeiten - her und bleibt dabei in der kraftvollen Position einer kompetenten Erwachsenen, die in ihrem Leben bereits viel gelernt hat. - Der Ausspruch "Und wenn ihr nicht werdet wie die Kinder ….!" - so könnte er auch gemeint sein: Als Aufforderung, alles, was uns innerlich reicher, fröhlicher und glücklicher machen kann, tatsächlich einzusetzen und zu leben, uns mit den eigenen, inneren Schätzen also zu verbinden und so das Jetzt freudevoller zu gestalten.
           
***.. das Wichtigste im Leben sind die kleinen Versöhnungen.
                   Lass keine Gelegenheit zur Versöhnung aus. 
(William Brodrick  in  'Die sechste Klage')'***  

siehe auch:   Mosaik / High heels   

 

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