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Circus Roberto

Das 'eigene' Lachen?

 

Circus Roberto! - Ich entdecke ihn ganz überraschend beim Spazieren gehen in einem Seitenbereich des Parks. Über dem Eingang prangt ein großes, halbrundes Schild: " CIRCUS ROBERTO " Und links und rechts daneben schaukeln bunte Luftballons. Mitten in der Wiese steht jetzt das große, runde Circus-Zelt, umgeben von Wohnwagen und dazwischen verstreut einige Autos und Zugmaschinen.

Kindheits-Erinnerungen werden wach:

Ich sehe ihn wieder, wie er Einzug hält, in unserem kleinen Dorf. Ein altersschwacher Buldog, mit seitlich rotierendem Schwungrad, einem hohen Auspuff-Kamin, der in der Mitte viel dicker ist, als an den oberen und unteren Enden, schwarz-rot. Mit einem tiefen, kraftvollen und gemächlichen "blum - blum - blum - blum - blum" zieht er die beiden angehängten Circuswagen die Dorfstraße hinauf. Ein Wagen ist bunt bemalt mit Luftballons, die einen tanzenden Clown umschweben. Dieser schwenkt ein Schild mit der Aufschrift "Lach-Circus ROBERTO". Der zweite Wagen ist weiß und ringsum behangen mit Glöckchen, Trompeten, Trommeln, Zimbeln und vielem, was klappert, klingt oder scheppert. - Herrlich aufregend! - Dahinter eine schöne, junge, winkende Frau, ohne Sattel auf einem braunen Pferd mit bunt geschmückten Ohren. Gemächlich zieht dieses einen langen, hölzernen Bauernwagen, mit eisenbereiften Holzrädern, beladen mit allerlei Durcheinander und vorne zwei Kinder - verkleidet als Clowns. Der eine vielleicht sechs Jahre alt, der andere etwa vier - lachend - und winkend - und sich gegenseitig anstupsend und anfeuernd.

Wir Kinder sind später Freunde geworden.

Der ältere der beiden Clowns ist Konrad und wird allgemein nur Curry gerufen. Der jüngere, Peter, hieß einige Zeit Perfekt, weil er seine Vorstellungen immer mit einem selbstgefälligen ‘perfekt’ abschloss, doch dann veränderte sich das und irgendwann war er dann eben Pfeffer. "Curry und Pfeffer sind Clowns, die jeder Vorstellung Würze geben!", stand dann auf den Circus-Plakaten.

Curry ist ein großartiger Clown und bringt das ganze Circus-Zelt zum Lachen, wenn er mit seinen komischen Grimassen durch seine kleine Welt schreitet. Doch Pfeffer ist die Krönung! - Tränen und Biegen vor Lachen, Seitenstechen, usw., das alles kann Pfeffer auslösen. Und dabei tut er nichts anderes, als seinen größeren Bruder nachzumachen.

Unglaublich! - Alles was sein Bruder macht, macht er auch, jeden Handgriff, jede Geste, jeden Ausrutscher, jeden Ausruf. Pfeffer ist ein zweiter Curry, nur eben kleiner. - Zum Schreien!

Die beiden sind ein eigenartiges Gespann!
In jeder freien Minute trainiert Curry - er will ein Meister-Clown werden - und, in seiner Art ist er es ja heute schon. Immer wieder fällt ihm Neues ein. - Ständiger Begleiter und Schüler ist sein Bruder Pfeffer. - An anderem Spielen und Herumtollen sind sie kaum interessiert.

Den beiden im Circus-Zelt zuzuschauen, ist immer wieder ein Genuss.
Doch mit ihnen auch außerhalb des Circus-Zeltes zusammen zu sein, wird nach und nach langweilig. - Curry ist nur in seinen Clown verliebt und interessiert sich für nichts anderes - und Pfeffer ist Curry, eben im Kleinen.

Nachdem sie so Jahr für Jahr immer wieder Erfolge eingefahren hatten, beide gehen nun schon auf die zwanzig zu, gibt es zwischen ihnen - kaum zu fassen und zu begreifen - einen Riesenkrach.

Curry wirft Pfeffer vor, er sei ein gutes Abziehbild und eine schlechtere Zweit-Ausgabe. - Er solle doch nun endlich mal sich selbst als Clown spielen, mit auch eigenen Ideen, Anregungen und Vorstellungen, eigener Initiative und eigenen Wünschen, seinem eigenen "Ich will!", probieren und experimentieren mit seinem eigenen "Ich trau mich ICH SELBST zu sein und in meiner Art MEINEN Clown zu spielen!".

Pfeffer ist geknickt und entsetzt. Er hat alles gelernt, was ihm sein Bruder gezeigt, alles trainiert, was sein Bruder vorgegeben hat. Er bemüht sich, die Bedeutung jeder kleinsten Geste seines Bruders wahrzunehmen und dann das zu machen, was der gerade vorhat. So, wie sie es bisher eben immer gemacht haben. "Es geht doch wunderbar! - Was willst du denn eigentlich sonst noch von mir?" - wendet er hilflos ein.

Und Curry schreit mit vor Zorn sich fast überschlagender Stimme: "Sei doch endlich mal du selbst, mit deinen eigenen Vorstellungen, Ideen und Bedürfnissen, mit deinem eigenen Lachen, das aus deinem Bauch kommt und nicht nur nachgemacht ist, wie's ich gerade mache oder wie's mir gerade ist - mein Echo!"

Pfeffer ist total am Boden - und immer wieder murmelt er vor sich hin: "Wie soll ich denn sein? - Wie bin ich denn richtig? - Wie genau soll ich's denn machen? - Ich weiß es einfach nicht! - Ich habe bis jetzt alles so gemacht, wie du's mir angeschafft hast - und mit der Zeit habe ich es sogar besser und immer noch besser so gemacht, so eben, wie du es wolltest, wie du es von mir erwartet hast! - Was willst du denn jetzt von mir? - Wie soll ich denn sein? - Sag's mir doch, ich will's ja gerne probieren!
Ich möchte mit dir auch weiterhin als Clown in die Manege gehen - mit dir zusammen spielen - Spaß haben - lachen - den Kinder und den Menschen Freude bringen. - Zusammen mit dir - als dein Partner! - Wie soll ich's denn machen? - Wie soll ich denn sein? - Sag's mir doch - bitte!"
Und Pfeffer sinkt schluchzend und weinend in sich zusammen.

"Pfeffer!" - sagt Curry nach wie vor wütend und abschätzig - "Dein Name signalisiert ja Würze, Bereicherung und Geschmacksverbesserung, also mehr, vielfältiger und etwas besonderes! - Und was bist du? - Ein Kopie! - Immer wieder eine gute Kopie, keine Frage, aber sonst eben auch nichts!
So werden unsere Vorstellungen immer glanzloser!
Außerdem habe ich keine Lust mehr, nur immer alleine die Ideen und Anstöße zu liefern!
Sei du selbst! - Nur so können wir Partner bleiben und dann miteinander unsere gemeinsame Nummer gestalten! - Miteinander spielen! - Nur dann wird es auch wieder richtig Spaß machen!

Ich habe keine Lust mehr, für alles und jedes alleine zu sorgen. Ich schleppe die Ideen an, ich kümmere mich um die Einzelheiten - und du läufst mit, wie ein braves Hundchen. - Nein danke, da mache ich nicht mehr mit!

Du selbst bist gefragt und wichtig - in deiner Art, mit deinen Ideen, mit deinem Was-dir-alles-gefällt, Was-du-dir-alles-vorstellst und Was-dir-alles-aus-dem-Herzen-hüpft oder -auf-der-Seele-liegt! - Mit Deinem! - Mit Deinem! - Mit DEINEM !

Ich will gerne mit dir zusammen neue Nummern entwerfen und einstudieren, das geht aber nur, wenn du auch in deiner ganz eigenen Art dabei bist, hörbar, sichtbar und spürbar - eigen, meinetwegen auch eigenwillig und eigenartig, aber bitte nicht nur als Abklatsch und Kopie von mir oder von irgendwem! - Verstehst du?

Du hast ‘ne dolle Fähigkeit entwickelt, nämlich dich anzupassen. Bisher war das ja in Ordnung. Auch heute ist es hin und wieder noch ganz nett. Aber dabei bist du als eigener Mensch mit Ecken und Kanten und deinen Besonderheiten irgendwohin verschwunden.

Ich mache das nicht mehr mit! Das langweilt mich! Es ödet mich an!"

Für Pfeffer ist das alles entsetzlich. Je besser er sich bisher angepasst hatte, je besser er Kopie und Genauso war, desto mehr war er beklatscht worden. - "Und jetzt?", seufzt er hilflos.

Doch die Katastrophe dieser Auseinandersetzung zeigt Wirkung: Am nächsten Tag ist Pfeffer verschwunden. 
Alles Suchen hilft nichts. - Er bleibt verschwunden.

Es vergehen Monate und Jahre. Keinerlei Lebenszeichen von Pfeffer. Alle Nachforschungen verlaufen im Sand. Da geben es Curry und seine Eltern schließlich auf. Auch wenn immer seltener von Pfeffer gesprochen wird, er ist nicht vergessen. Und jeder tröstet sich insgeheim mit der kleinen Hoffnung: "Vielleicht, irgendwann ... !"

Mehrere Jahre nach Pfeffers Verschwinden tauchen vereinzelt in den Zeitungen Berichte über einen Clown auf. Er scheint ein besonderes Talent zu sein und nennt sich Clown Eigen, mit dem Spitznamen Ahijui.

Lobende Berichte und Schlagzeilen wie "Ein Ver-Zauberer zum Lachen!" nehmen zu. Die Zeitungen sind voll des Lobes. "Er massiert das Zwerchfell, bis die Seiten stechen - und ist bei allem soooo unschuldig!"

"Eigentlich spiele ich nur mit dem, was ich mir denke - und freue mich dann auch über die guten Verbindungen zu dir - und zu dir - und zu allen um mich herum. Darum bemühe ich mich auch! Weil es mir so einfach mehr Spaß macht, wenn wir alle miteinander lachen können - im Circus und überhaupt!", so sagt er, berichten begeistert die Zeitungen.

In Curry rumort es! - Seine Neugierde treibt ihn um.

So macht er sich nach einiger Zeit auf, diesen anderen Clown, diesen 'Ver-Zauberer zum Lachen' zu erleben, ihn zu sehen, mehr von ihm zu erfahren, vielleicht von ihm auch das eine oder andere abzuschauen und zu lernen.

Er kommt in die Stadt, in der der große Circus gastiert, löst seine Karte, geht in die Vorstellung - und versinkt in der Zeitlosigkeit. - Vergisst Zeit und Raum. - Er sitzt zwar auf der Zuschauer-Tribüne und gleichzeitig ist er auch Teil der Vorstellung, ist mitten drin!

Und sie verlassen hüpfend und springend die Manege - und er spürt jetzt erst die Lach-Tränen, die über seine Wangen gekullert sind. Es ist das Gefühl, wie das Aufwachen nach einem herzerfrischenden Traum!

Wunderbar!

"Ich will ihn kennen-lernen, mit ihm reden!". denkt er sich. "Vielleicht können wir sogar Partner werden, dieser Clown 'Ahijui' - und ich!" - und schon drängelt er nach draußen, um ihn zu suchen.
Er sieht den Clown, wie er gerade den Fuß auf die Treppe zu einem Circus- Wagen setzt - und ruft: "Hallo! - Hallo Clown!"

Ein Zusammen-Zucken - die Bewegung des Clowns erstarrt - ganz kurz bleibt er so stehen - und beginnt dann ganz langsam den Kopf zu drehen. - Noch ist er voll als Clown kostümiert und geschminkt. - Er wendet sich Curry zu, schaut ihn an - aus dem großen, grellrot geschminkten Mund kommt ein tiefes, gurrendes "Ahhhhhhhhhhhh !" - und dann beginnt die runde, grüne Knollen-Nase, sein höchst-persönliches Marken-Zeichen, heftig zu blinken.

"Ahhhhhhhhh!" und dann wird dieses "Ahhhhh!" immer höher, immer jauchzender zum "Ahiiiiiiijuiiiii!" - und der Clown stürzt sich auf Curry, packt ihn, umarmt ihn und drückt ihn, begleitet von den Ausrufen der Begeisterung und des Entzückens: "Ahiiiijuiiii! - Ahiiiijuiiii! - Ahiiiiijuiiiiiiiiiii !!!"

Und plötzlich hört Curry den Clown mit einer Stimme, die er kennt, sagen: "Willkommen Bruderherz!"

Er staunt, zögert, kann es kaum fassen - und dann kommt auch aus seinem Mund ein jauchzendes: "Ahiiiiijuiiiiiiiiiiiii !!!"

Am nächsten Tag machen sie dann eine gemeinsame Vorstellung, der berühmte "Curry", zusammen mit dem berühmten "Ahijui"! 
 

Die Zeitungen schreiben: "Wenn man es nicht wüsste, dass die beiden Brüder sind, könnte man es kaum glauben! Ganz verschieden und doch so wunderbar miteinander spielend! Jeder ganz klar und charakteristisch, in der je eigenen Art, beide sich ergänzend und abwechselnd, und zusammen unschlagbar ! Einfach zum Lachen! - Herzerfrischend!"

"Ja - und 'dieser' kleine CIRCUS ROBERTO?", geht es mir durch den Kopf.
"Wer spielt wohl hier und heute? Ich will ihn besuchen und mich, angeregt von meinen bunten Erinnerungen, überraschen lassen!"
 

 

Thema der Woche ab 01.07.06 
  Eine Sommergeschicht! 

siehe auch:   Newsletter Nr.72      

 

Texte unter "C" C-Fundgrube Chancen Circus Roberto  

 

verstreute "C-Texte" Chef -> C-Fugr. Credo (Gott ist ..) -> Zit. 36  

 

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