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Besser wissen

für wen ?

 

Aufgebracht erzählte mir Helene von ihrem gestrigen Gespräch mit Günter. "Er ist ja wirklich ein netter Kerl und ein wertvoller Freund, aber kaum erzähle ich etwas von mir, kommen seine Kommentare:

 

'Da musst du bedenken, dass...!

 

Das kannst du doch so .... besser machen!

 

Ich habe das auch geschafft!'   usw.

Er hört mir überhaupt nicht zu. Ihn interessiert es überhaupt nicht, ob ich mit meinen Lösungen zufrieden oder gar glücklich bin. Sein

 

'So musst du das machen!

 

Das gehört sich so!'

kommt unweigerlich.
 

Habe ich dann gar einen Fehler gemacht und bin mit meinen Ergebnissen nicht so recht zufrieden, dann fällt er geradezu über mich her mit:

 

'Das hätte ich dir gleich sagen können!

 

Da musst du eben aufpassen!'

Mitunter ist er schon nervig, ein richtiger Besserwisser."

Ich bin mit Günter auch befreundet und mag ihn gerne. Auch mir geht es immer wieder ähnlich.

So haben wir uns also zusammen getan, Helene und ich, um herauszufinden, welche Möglichkeiten des guten Miteinander-umgehens wir trotzdem haben - ohne grob zu werden oder nur noch mit Schweigen zu antworten, also ohne den Kontakt zu gefährden oder gar zu brechen.

Der Besserwisser ist meist ein sehr hilfsbereiter Mensch.

Er ist von der Richtigkeit seines Denkens und Handelns überzeugt.
Er meint zu wissen, wie's geht - und wie's für Kinder, Partner, Anverwandte und Umgebung richtig ist. Seine Sicht der Dinge hat Gültigkeit. Dass ein anderer wo anders steht, eine ganz andere Entwicklungsgeschichte und momentan ganz andere persönliche Wichtigkeiten hat, kann er vielleicht noch akzeptieren, jedoch in dem Fall, der ihn gerade beschäftigt, nicht gelten lassen. Er will für den anderen ja nur das Beste. Damit rechtfertigt er sein Verhalten - ohne die Wirkungen zu beachten.

Dabei macht es der Besserwisser (ihm gleichzusetzen ist der Rechthaben-woller) so gut, wie er es gerade kann.

Eine persönliche Stellungnahme zu seinem Verhalten ist möglich, z.B.

 

"Mir gefällt es nicht, wenn du mir ständig (liebevoll oder auch  fürsorglich) vorschreiben willst, was ich zu machen habe. Das ärgert mich und stößt mich ab! - Ich entscheide für mich selbst!"
 

Doch - ob das verstanden wird, ist sehr fraglich. Gekränkt kann dann schnell die Antwort kommen:

 

"Ich meine es dir ja nur gut! Aber wenn du meinst - - !"

Und schon rutscht die Stimmung auf den Gefrierpunkt.

Dem Besserwisser selbst als Besserwisser zu begegnen, ihn also zu kritisieren und ihm zu erklären, was er nicht oder besser anders machen sollte, ist auch kein guter Weg.

Was bleibt also?

Wenn der Besserwisser ein Mensch ist, der mir mit seinem Verhalten lästig ist, mir aber ansonsten wenig bedeutet, kann ich den Abstand zu ihm vergrößern und den Kontakt zunehmend vermeiden.

Ist er dagegen ein Mensch, den ich eigentlich mag - ein Freund, oder vielleicht sogar der Partner - dann ist es sicherlich den Versuch wert, ihm die eigenen Gefühle zu erklären und ihn darum zu bitten, von sich selbst zu erzählen. z.B.

"Günter - ich empfinde deine Art, mit ‘du musst..!' und 'du kannst doch ..!’ mit mir zu sprechen, als bevormundend und ärgerlich. Ich weiß, dass du es gut meinst. Ich kann aber so von dir nichts annehmen, auch wenn es noch so interessant ist, weil mich die Wut darüber, dass du meine Grenzen nicht achtest und mich als eigenständigen Menschen nicht respektierst, blockiert.
 
      Ich entscheide für mich!
       Niemand sonst! - Und für niemanden sonst!
Das gilt ohne Ausnahme - auch dir gegenüber!
Du kannst mir aber helfen und meine Aufmerksamkeit fesseln, wenn du von dir, deinen Sichtweisen und deinen Erfahrungen (für dich!) erzählst - z.B.
‘Gestern ist es mir mit Frau Müller ähnlich ergangen, da habe ich mir überlegt, was ich will und dann habe ich ....! Zunächst war es schwierig, aber dann haben wir uns lachend geeinigt.’ usw.
Jetzt kann ich dir zuhören und gedanklich mitgehen. Außerdem mir aus deinen Erfahrungen das eine oder andere herauspicken, was mir nützlich erscheint und es ausprobieren. Freiwillig! Weil ich es für mich so will - und nicht, weil du es mir so vorschreibst, oder so hineindrücken willst.
So können wir voneinander lernen und mit den je eigenen Erfahrungen einander befruchten!"

Das ist ganz schön schwierig - und verlangt Fingerspitzengefühl.

Mit Sicherheit ist der Besserwisser nicht nur für seine Umgebung, sondern auch für sich selbst eine Plage.

So weit waren wir uns einig.

Nach einem kurzen Schweigen fuhr Helene fort: "Weißt du, da fällt mir ein Gespräch ein, das ich vor vielen Jahren mit meinem damals schon auf die achtzig zugehenden Meditationslehrer hatte. Sinngemäß hat er gesagt, dass ausnahmslos jeder Teil eines Menschen wertvoll und wichtig ist.
"In jedem Menschen," so sagte er, "gibt es viele innere Teile (Bedürfnisse) wie z.B. Neugierde, Spielen, Zärtlichkeit, Ruhe, Tanzen - usw. - usw., die alle gleich wichtig für ein erfülltes und glückliches Leben sind. Sie nehmen z.B. Wissen, Regeln und Gelerntes auf und speichern diese Informationen. Damit helfen sie, Alltagssituationen immer besser zu bewältigen.
Doch wenn überwiegend nur wenige Teile eingesetzt und trainiert werden, werden diese schnell übermächtig. Dann drängen sie andere, zwar genau so wichtige, aber etwas schwächere Teile beiseite, mischen sich zunehmend in alle Entscheidungen ein und versuchen mehr und mehr das Kommando zu übernehmen.
Aus gleich-berechtigt mitwirkenden und beratenden Teilen werden dann innere Besserwisser und damit Antreiber (oder Vermeider) zum Einmischen, zur Arbeit, zum Essen, Trinken, Rauchen, Fernsehen usw.
 

Talente, Fähigkeiten, Anlagen


Der Mensch, von dem ein Besserwisser Besitz ergreift, kann sich z.B. so anhören: "Du machst das besser so! - Ich muss das so machen (wie immer)! - Ich kann nicht anders! - Es geht nicht anders!"
Er wird zum Opfer seiner inneren Besserwisser und der äußeren Gegebenheiten.
Er muss  helfen - was sagen - sich einmischen - so arbeiten usw.

Stell dir vor," erzählte mein Meditationslehrer weiter, "du hast eine Kutsche und ein Pferd - und du möchtest damit ausfahren. Nun schirrst du das Pferd vor die Kutsche, hängst die Zügel locker neben den Kutschbock, setzt dich in die Kutsche und lehnst dich bequem zurück. Auf dein ‘Ho, ho!’ und ‘Hüa - los!’ setzt sich das Pferd in Bewegung und beginnt immer schneller zu werden. du spürst den Fahrtwind und du freust dich. Es mach Spaß!
Doch plötzlich biegt das Pferd auf freies Feld ab und zerrt - holpernd und schlingernd - die Kutsche hinterher. Ein Rad bricht. All dein Schreien ‘Halt! - Das habe ich nicht gewollt! - So nicht! - Das tut weh! - Halt!’ hilft nichts. Die Kutsche kippt um, wird an einen Baumstumpf geschleudert und bleibt übel zugerichtet liegen.

Was hast du versäumt? - Was kannst du künftig besser machen?

Es ist wichtig, die Zügel in die Hand zu nehmen und damit Pferd und Wagen selbst dorthin zu lenken, wo du immer mehr hin willst. - Jetzt hat nicht mehr das Pferd (z.B. ein innerer Besserwisser, oftmals auch bezeichnet als 'Spontaneität') das Sagen, sondern du entscheidest (bewusst) selbst und berücksichtigst dabei alle wichtigen aktuellen Faktoren - in dir und um dich herum.

Natürlich ist das anstrengender, als es einfach laufen zu lassen. Es verlangt ständige Aufmerksamkeit und volle Konzentration auf das, was jetzt gerade dran ist.
Doch so wirst du mit weniger Verletzungen und Unfällen deinen Zielen tatsächlich immer näher kommen und eine freundliche Welt in dir und um dich herum entdecken und fördern.

Damit werden auch innere Besserwisser entmachtet und mehr und mehr zu dem zurückgestutzt, was sie sein sollen und nur sein dürfen, nämlich gleich-berechtigte und gleich-wichtige Teile im Stimmen- und Informationskonzert aller inneren Teile. Nicht mehr - aber auch nicht weniger!"

Schon interessant!

Nur ICH kann als mein Chef, als derjenige also, der für meine Entscheidungen und deren Durchsetzung zuständig ist, für Ausgleich und Gleichgewicht zwischen den inneren Bedürfnissen (Teilen) sorgen. - Nur ICH kann auch mit meinen Entscheidungen in die Gegenwart gehen, indem ich mit meinen Gedanken und meiner Aufmerksamkeit bewusst in der jetzigen Situation ansetze.

Es verlangt Achtsamkeit und Bewußt-sein - und immer wieder die Frage:

"Was will ICH jetzt gerade FÜR MICH? 
Was ist das Ziel meiner Überlegungen?"

Das ist dann schon ein erster, wichtiger und klärender Schritt.

Und er wird auch helfen, einem Du, auch Günter gegenüber, im jeweiligen Moment eine gute Antwort bzw. eine treffende Reaktion zu finden.
 

siehe auch:   Ich würde...


 

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